"OH BOY" Kinovorstellung in Berlin & anschließendes Interview mit Jan-Ole Gerster & Tom Schilling

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Diesen Sommer hatte ich das Vergnügen den Preisgekrönten deutschen Spielfilm "Oh Boy" in einem Berliner Kino zu sehen und anschließend an einem Interview und Gespräch mit dem Regisseur Jan-Ole Gerster und dem Hauptdarsteller Tom Schilling teilzunehmen. Viel zu lange hat dieser Beitrag auf sich warten lassen, doch wie man so schön sagt: besser spät als nie. Ich hoffe also, ihr verzeiht mir diese Verspätung und findet Gefallen an dem was nun folgt :)

Niko, ein Mann in den Endzwanzigern, lebt in Berlin und führt ein scheinbar völlig belangloses Leben. Niko, der zunehmend die Rolle eines Opfers einnimmt, gerät von einem Konflikt in den nächsten und scheint dabei vor keinem Übel bewahrt zu werden. Als schließlich auch die Beziehung zu seiner Freundin Elli zerbricht und sein Vater erfährt, dass sein Sohn bereits vor zwei Jahren sein Jurastudium abbrach, doch darüber schweigend weiter dessen finanzielle Unterstützung in Anspruch nahm, scheint Niko am Tiefpunkt angekommen zu sein. Seine melancholisch geprägten Wesenszüge machen es ihm schwer, an alltäglichen Dingen Freude zu gewinnen und somit ist Niko stets auf der Suche nach sich selbst und seiner verlorenen Identität.
"Oh Boy", der zugleich auch Jan Gersters Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin war, schafft Raum für die unterschiedlichsten Charaktere, doch verliert dabei nie den Protagonisten aus dem Blick. Dieser lässt sich Tag und Nacht über die unterschiedlichsten Plätze Berlins treiben und versucht sich so ein Stück weit näher zu kommen. "Oh Boy" ist ein höchst amüsanter und zugleich auch schonungslos ehrlicher Film, der einer offenbar rücksichtslosen und abgestumpften Gesellschaft den Spiegel vorhält und ihren moralischen Verfall in all seinen Fassetten darlegt. Ins Auge sticht dabei nicht zuletzt die schwarz-weiß Filmtechnik, die Jan Gerster für seinen Film verwendet.

So wie es uns Jan Ole Gerster nach der Preview erklärte, sei das Hauptcharakteristikum für einen besonders guten Film, dass man dabei etwas über das Menschsein erfahren müsse. Wenn am Ende genau dies zu dem Publikum durchdringe und es diese bestenfalls verändere, spätestens dann sei es für Gerster ein guter und gelungener Film. "Mir war vor allem wichtig, dass der Film die Zuschauer ein wenig zum Nachdenken anregt!", erklärt Gerster weiter und erschuf so einen besonders authentischen, amüsanten und nicht zu letzt sehr liebevoll gestalteten Film, der verdienter Weise ganze 21 Filmpreise abstaubte.
Um dieses Résumé nun zum Ende zu verhelfen, möchte ich dieses mit einem Auszug von Christian Mayer aus der "Süddeutschen Zeitung" beenden, der sich wie folgt über den Film äußert und ihn so prägend zusammenfasst: "Tom Schilling ist der eine Hauptdarsteller, der andere ist die Großstadt. Der Film ist das teils komische, teils beklemmende Porträt einer Berliner Gesellschaft, in der ein unglaublich ruppiger Ton herrscht, eine allgemeine Distanz- und Respektlosigkeit, die jederzeit ins Extreme umschlagen kann, manchmal auch in Gewalt."
kino7

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