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Ein Plädoyer gegen die Grausamkeit

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Wussten Sie, dass fast ein Drittel der Landoberfläche unseres Planeten für Tierzucht verwendet wird? Heutzutage wissen wir kaum etwas über die Produkte, die wir einkaufen, doch spätestens nachdem man Foer gelesen hat müsste es klar sein: Fleisch zu essen ist schlecht für unsere Gesundheit, die Umwelt und unterstützt einen derart schlimmen Missbrauch an Tieren. Denn eben diese drei Punkte greift der Schriftsteller und Philosoph Jonathan Safran Foer in seinem 2010 erschienenen Werk „Tiere essen“ auf und legt dabei seinen besonderen Schwerpunkt auf die Massentierhaltung. Schonungslos ehrlich berichtet er über all das, was in deutschen Esszimmern nur all zu gerne unter den Teppich gekehrt wird. Doch wieder erwartend handelt es sich bei „Tiere essen“ nicht um eine missionarische Bekehrungsschrift, sondern um eine, wie es das Greenpeace Magazin so treffend formulierte, mit Witz und Provokation gepaarte akribische Recherche.
Nächtliche Einbrüche in Tierfarmen, Anekdoten aus dem Leben des Autors und philosophische Fragen gehören diesem Buch ebenso an wie eine Vielzahl von Recherchen und dabei ist „Tiere essen“ so objektiv, wie es für ein journalistisches Werk nur möglich ist, denn Jonathan Safran Foer verwendete für seine Studien nur die konservativsten Statistiken aus Wissenschaft und Industrie und engagierte zusätzlich zwei unabhängige Experten, um diese zu bestätigen.

Die Frage, die mir jedoch nicht aus dem Kopf ging, war, wie es ein Buch, dass über Themen berichtet, die der Durchschnittsbürger in der Regel weder hören noch sehen will, auf die internationale Bestsellerliste schaffen konnte.
Schon seit Jahrtausenden beschäftigen sich Menschen, darunter auch berühmte Philosophen wie Pythagoras, Sokrates und Platon, mit der Frage, ob die Existenz des Menschen über der eines Tieres steht. Bekannte Persönlichkeiten wie Voltaire, Mahatma Gandhi oder Charles Darwin folgten und sie alle stellten dieselben Fragen. Warum sollte es also gerade „Tiere essen“ sein, das derart polarisiert und eine wahre Vegetarierwelle auslöste?
Möglicherweise traf Jonathan Safran Foer mit seinem Buch nur den Nerv einer Zeit, die sich im Wandel befindet, denn die Anzahl der Vegetarier in Deutschland hat sich in den letzten dreißig Jahren weit mehr als verzehnfacht. Doch vielleicht war es auch seine persönliche und unbefangene Art, die Dinge anzugehen, ohne den Leser dabei durch Schuldzuweisungen zu einer Entscheidung zwingen zu wollen. Mit „Tiere essen“ bringt er unabweislich zahlreiche unangenehme und bis dato auch unausgesprochene Tatsachen auf den Tisch, dass einem die Lust am Fleischessen wahrlich vergehen kann, doch schlussendlich lässt er jeden seiner Leser für sich entscheiden, was er am Ende mit dem neu gewonnenen Wissen anfangen möchte.

Bereits Siegmund Freud sagte einmal: „Ich ziehe die Gesellschaft der Tiere der menschlichen vor. Gewiss, ein wildes Tier ist grausam, aber die Gemeinheit ist das Vorrecht des zivilisierten Menschen.“
Ein Tier, das weder sinnvolle Zusammenhänge verstehen, noch deuten kann, ist dem Menschen in einem zweifelsfrei unterlegen: es kann nicht die Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Ganz anders als der Mensch, der Zusammenhänge versteht und über Empathie verfügt und daher auch die nötige Verantwortung für unser sein Handeln übernehmen muss. Letztendlich liegt also alles was wir tun und wer wir sind in unseren Entscheidungen. Wir haben die Wahl, die Dinge zu verändern oder sie beim Alten zu belassen und genau hier liegt die eigentliche Botschaft dieser autobiographischen Recherche: entscheide selbst, was du mit deinem Wissen anfangen möchtest, doch sage am Ende nicht, du hättest von alledem nichts gewusst!

Portrait von Jonathan Safran Foer: Jerry Bauer 

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