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Marie Antoinette


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Erzherzogin Maria Antonia von Österreich
als Kind, 1767
Ich bin ein großer Fan des Barocks*/Rokoko* und des Klassizismus*. Speziell Frankreich hat es mir da sehr angetan. Heute wollte ich mal ein bisschen was zu Marie Antoinette schreiben, ich hoffe es interessiert auch den ein oder anderen :) Ich habe es versucht nicht all zu langweilig zu gestalten :)


Marie Antoinette wurde am 2. November 1755 in Wien als fünfzehntes Kind von Königin Maria Theresia und Kaiser Franz I. Stephan geboren und verstarb am  16. Oktober 1793 in Paris. Sie war unter anderem Erzherzogin von Österreich sowie Prinzessin von Ungarn. Durch ihre Heirat mit Ludwig XVI*. wurde sie zunächst Dauphine und später Königin von Frankreich und Navarra. Sie wurde nur neun Monate nach ihrem Ehemann durch das Volk während der französischen Revolution* guillotiniert*.





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Porträt von Marie Antoinette, gemalt von ihrer
Lieblingskünstlerin Élisabeth Vigée-Lebrun, 1783 
Die Vermählung zwischen der österreichischen Erzherzogin und dem französischen Dauphin sollte den Frieden zwischen Frankreich und Österreich besiegeln. Schon im Alter von 14 Jahren heiratete Marie Antoinette Dauphin Louis-Auguste, den späteren König Ludwig XVI. von Frankreich, der mit seinen 15 Jahren selbst noch ein Kind war. Marie Antoinette wird als ein hübsches, großäugiges Mädchen beschrieben. Sie mochte es bewundert zu werden. Doch Marie konnte sich am Hof von Versailles nur schwer zurecht findet. Durch Verstöße gegen die strengen französischen Sitten machte sich die lebensfrohe und oft leichtsinnige junge Frau am Hof schon bald unbeliebt. Durch ihren verschwenderischen Lebensstil zog sie sich den Unmut des französischen Volkes zu. Sie galt als eine der schillernsten Personen während der französischen Revolution.

"Wenn sie geht, ist sie die Anmut selbst.", schrieb ein Beobachter, "Es heißt, sie tanze nicht im Takt, doch sollte dies wahr sein, so liegt die Schuld beim Takt."



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Eine der sehr exzentrischen Frisuren,
für die Marie Antoinette bekannt war
Die Dauphine begann die Möglichkeiten ihrer Stellung auszunutzen und besuchte Bälle oder die Pariser Oper. Eine ihrer Leidenschaften war unter anderem das Glücksspiel, bei dem sie immer wieder große Summen verspielte. Sie gab monatlich etwa 15.000 Livres aus. Diese Verschwendung trug nicht zur Beliebtheit Marie Antoinettes bei. Man taufte sie auf den Namen Madame Déficit. Der Großteil des französischen Volkes hungerte und sie gab weiter das Geld aus, als sei nichts gewesen.
Das Leben in Versailles war eine nicht enden wollende Abfolge von immer gleichen Ritualen und Formalitäten. Alles war zeremoniell festgelegt. Um bei diesen ganzen Zwängen bei Laune zu bleiben verlegte sich Marie Antoinette auf ein immer auffälliger werdendes Äußeres. Marie war von der Mode besessen, besonders von diesen Meter hohen Frisuren, die Stunden um Stunden erforderten. Auf viele Menschen wirkte das obszön. Maries Mutter, Maria Theresia von Österreich, versucht Sie in vorwurfsvollen Briefen zurecht zu weisen. Sie soll zeitlebens eine der nur sehr wenigen Personen gewesen sein, die Einfluss auf Maries Handeln gehabt hatte.
Einmal vertaute die Königin einem Freund mit einem traurigen und nachdenklichen Blick an, dass sie eine jämmerliche Ehe führe. Ich denke, sie war verzweifelt. Sie sehnte sich nach körperlicher Efüllung, stattdessen ging Sie tanzen, liebte das Glücksspiel und wandte sich leblosen Dingen wie Juwelen und schönen Kleidern zu.


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Porträt von Marie Antoinette und ihren Kindern,  1787;
das leere Kinderbett im Hintergrund erinnert
an ihr zuvor verstorbenes Kind
Bei all den Schulden, die Marie machte, blieb sie ihrem Land selbst das wichtigste schuldig: Einen Thronfolger. In den ersten sieben Jahren ihrer Ehe hatten Ludwig und sie noch kein Kind gezeugt. Marie befand sich in einer äußerst prekären Situation. Nach einigen Jahren wurde dann bei ihrem Ehemann Ludwig eine Phimose, eine Vorhautverengung festgestellt. Das macht für ihn eine Erektion extrem schmerzhaft. Erst eine Operation, die der König aus Angst erst nach einigen Jahren zustimmte, konnte das Problem beseitigen. Darauf gebar Marie Antoinette dann sieben Kinder, von denen zwei Fehlgeburten waren.
Das Wohl berühmteste Zitat von Marie Antoinette „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Brioche [Kuchen] essen.“ ist jedoch nur ein Gerücht, dieser Ausspruch stammt nachweislich nicht von ihr. Dies ist eine Wanderanekdote, die schon der Frau von Ludwig XIV. vorgeworfen wurde.
Erst 1789, zu Beginn der Französischen Revolution, begann Marie Antoinette sich politisch zu betätigen, vor allem um ihren Kindern den Thron zu sichern. Sie gab sich weniger ihren Vergnügungen hin und widmete sich viel stärker der Politik. "Der König hat nur einen Mann, auf den er sich verlassen kann: seine Frau.", schrieb ein Revolutionär. Sie zeigte sich entschlossen, wenn er schwankte, sie bewies Mut, wo er zögerte. Trotz ihrer Bemühungen wurde 1792 die königliche Gewalt per Gesetz abgeschafft.

1793 wurde Ludwig XVI. guillotiniert und Marie Antoinette im Oktober des selben Jahres nach einem 15-stündigen Verhandlungsmarathon einstimmig in allen Anklagepunkten (u.a. Hochverrat und Unzucht) für schuldig befunden. Das schlimmste war für Sie jedoch, dass man ihr die Kinder wegnahm. Sie waren ihr sehr wichtig. Man hatte ihr immer vorgeworfen eine schlechte Mutter zu sein, hier bewies sie das Gegenteil. Maries Sorge galt vor allem Ihrem jüngsten Sohn. Sie wusste, dass man ihn foltern und ihm seiner königlichen Herkunft vergessen machen würde. Und sie sollte Recht behalten. Nur ein paar Jahre später starb er an Vernachlässigung und Gewalt. Das Urteil für Marie Antoinette stand jedoch schon vor Beginn des Prozesses fest: die Todesstrafe. Den Gang zur Guillotine nahm Marie Antoinette gefasst und mit königlicher Würde. Doch die letzten Wochen der Qualen sah man ihr deutlich an - sie hatte jegliche Schönheit verloren. Während der Verhandlungen war sie kaum noch wahrnehmbar.

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Marie Antoinette bei dem Abschied
von ihrem Ehemann Ludwig XVI.
Sie wurde von der Geschichte mitgerissen ohne die Ereignisse zu verstehen. Sie war ein ganz normaler Mensch in einer außergewöhnlichen Situation. Es war ihr Schicksal in der entschiedensten Phase der französischen Geschichte mit dem König von Frankreich verheiratet zu werden. Man hat sie für viele Missstände verantwortlich gemacht, doch erst im Unglück offenbarte sich ihre wahre Persönlichkeit.
Stefan Zweig beschrieb sie als eine durchschnittliche Frau ohne besondere Charakterstärken. Seiner Ansicht nach war sie leichtfertig, eher passiv und sich ihrer Verantwortung kaum bewusst, da sie kaum jemals einen Schritt aus ihrer sehr begrenzten, luxuriösen Welt getan habe. Er betont aber auch, dass Marie Antoinettes Sturz, ihre Leiden und Demütigungen sie zu einer verantwortungsbewusst und mutig handelnden Frau hätten reifen lassen.
Antonia Fraser sieht in Marie Antoinette eine Frau, die mit der ihr zugedachten Rolle überfordert war und die Zeichen der Zeit schlichtweg übersehen hat.


Barock* Dem Barock voraus ging die kulturgeschichtliche Epoche der Renaissance, ihm folgte der Klassizismus. 
Rokoko* Da das Rokoko aus dem Barock hervorgegangen ist, haben es ältere Kunsthistoriker als eine Spätform des Barock betrachtet. Andere Kunsthistoriker sahen im Rokoko eine selbständige Stilrichtung. 
Klassizismus* Im allgemeinen Sinn bezeichnet der Klassizismus den künstlerischen Rückgriff auf antike griechische oder römische Vorbilder. Er erscheint dabei als Nachfolger des Barocks und endet mit dem Aufkommen von der Romantik und des Historismus. 
Ludwig XVI* Ludwig XV gab nach seinem Tod die Regentschaft an seinen Sohn Ludwig XVI weiter. Ludwig der XV war wiederum der Enkel von Ludwig XIV, der vorallem unter dem Namen "Sonnenkönig" bekannt ist. Zudem gab dieser das weltbrühmte Schloss Versailles in Auftrag. 
Französische Revolution* wird auch als "Zeit der Aufklärung" beschrieben. Schnell war eine wohlhabende, gebildete Mittelschicht entstanden, die einen stärkeren Anteil am gesellschaftlichen und kulturellen Leben einforderte. Dieses Bürgertum hatte nichts übrig für die Selbstverliebtheit und Maßlosigkeit des Adels. Es sehnte sich eine Welt herbei, in welcher der Verstand die Oberhand behält. So kam es von 1789 bis 1799 zu blutigen Aufständen und schließlich zum Sturz des Königpaares.
guillotiniert* Eine Guillotine ist ein nach dem französischen Arzt Joseph-Ignace Guillotin benanntes Gerät zur Vollstreckung einer möglichst schnellen und schmerzlosen Todesstrafe durch Enthauptung.   
Élisabeth Vigée-Lebrun* Hier folgt noch irgendwann ein eigener Beitrag zu.


Quellen:


  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Antoinette
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Theresia
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XVI.
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Axel_von_Fersen
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution
  6. http://www.dieterwunderlich.de/Marie_Antoinette.htm
  7. http://www.maedchenrat.ch/frauengalerie-marie-antoinette.html
  8. http://marie-antoinettequeenoffrance.blogspot.com/
  9. http://urbanlegends.about.com/od/dubiousquotes/a/antoinette.htm
  10. Marie Antoinette, 2005, Dokumentation von David Grubin
  11. Die französische Revolution, 1989, Spielfilm
  12. Stefan Zweig: Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters
  13. Antonia Fraser: Marie Antoinette
  14. Geo Epoche: Die Habsburger

Kommentare:

Maya hat gesagt…

Danke für deinen lieben Kommentar,
deinen Blog besuche ich immer wieder sehr gerne:)

liebste Grüße

Katta hat gesagt…

ein bisschen allgemeinbildung hat ja noch nie jemanden geschadet. das finde ich klasse! :>

Tini hat gesagt…

ich liebe marie antoinette auch, ich hab den film schon zig tausend mal gesehen und auch viel gelesen.. ich finde einfach furchtbar, dass sie einfach geköpft wurde !! ich mein hallo?!?! wenn ich nur daran denke, laufen mir schauer über den rücken. ich hab gehört, wenn jemand geköpft wird, kann man stunden danach noch auf der netzhaut das bild erkennen, was der tote als letztes gesehen hat.. gruselig...
www.laveur.blogspot.com

Saou hat gesagt…

xD Du schreibst ja auch lange Texten ^^
Haha Danke :)
Marie-Antoinette von Sofia Coppola, super film :D

Saou.

Michaela hat gesagt…

Ich mag marie antoinette :-)

xoxo Michaela

Taika hat gesagt…

Interessant, und dein Text liest sich viel schöner als Wikipedia!
Hast du den Film gesehen, bestimmt, oder? Ich leider noch nicht. Bis jetzt ist mir die gute Frau ja eher unsympathisch (und hässlich finde ich sie auch), obwohl sie mich schon irgendwie fasziniert. Aber vielleicht gehts mir nach dem Film ja anders :)

Ja, Chanel muss ich erst noch für mich erkunden, habe da erst einen Kajal von... oh je, hoffentlich verlieb ich mich nicht in die Marke, ich sehs aber schon kommen :D

Taika hat gesagt…

Toll, das ist doch schon eine ganze Menge. Gerade Chanel hat immer so eine spezielle Aura, finde ich - luxuriös, edel, das Nonplusultra... Welche Lippies hast du denn?

Dankeschön für die vielen Infos! Du stehst echt total auf Marie Antoinette, gell :) Bist ja eine richtige Expertin, finde ich super.
Ja, ich weiß dass es ein Spielfilm ist. Ich Nüsschen lasse mich trotzdem immer von sowas beeinflussen :D Seit "La vie en rose" finde ich auch, dass Edith Piaf gegen Ende eine ganz schön ordinäre Person war *lach*, dabei kenne ich sie ja gar nicht und ein Spielfilm ist dahingehend auch keine besonders verlässliche Quelle.

Martin hat gesagt…

Attention mon cher!
Ludwig XIV., genannt der Sonnenkönig, war nicht der Vater, sondern der Urgroßvater vom nachfolgenden Louis XV.
Louis XIV. hat nicht nur seinen Sohn sondern auch seinen Enkel überlebt.
Salut
martin